Badische Zeitung: Wohnen in leerstehenden Schulen und Krankenhäusern

In keiner anderen deutschen Großstadt gibt es so viele Hauswächter wie in Berlin / Sie wohnen zu Spottpreisen in leerstehenden Schulen oder Krankenhäusern.

Badische Zeitung: Wohnen in leerstehenden Schulen und Krankenhäusern

In keiner anderen deutschen Großstadt gibt es so viele Hauswächter wie in Berlin / Sie wohnen zu Spottpreisen in leerstehenden Schulen oder Krankenhäusern.

Wenn sie duschen will, nimmt sie das Skateboard, denn das Bad liegt am anderen Ende des langen Flurs. In ihrem neuen Zuhause hat sie Platz, viel Platz. Ihr Kleiderschrank ist begehbar. Eine Schatzkammer, halb so groß wie die von Paris Hilton, bloß nicht so vollgestopft. Sogar einen eigenen Basketballplatz gibt es hinterm Haus. Im Berliner Stadtteil Reinickendorf hat Anja Wilfling, 33, ihre Traumbleibe gefunden. Es ist ein Klassenzimmer im Gebäude einer ehemaligen Schule, dem Collège Voltaire. Ein Bullerbü im Grünen, das zu zerbröckeln drohte, als Lehrer und Schüler im Sommer 2011 in kleinere Räume umzogen.

Die holländische Firma Camelot, benannt nach dem Hof des sagenumwobenen König Artus von Britannien, macht es möglich. Seit 1993 setzt sie Menschen als Wächter in leerstehenden Krankenhäusern, Schulen, Polizeistationen oder Kirchen ein – erst nur in Holland, dann in Belgien, England, Frankreich, Irland und seit 2010 in der Bundesrepublik. Ein Burgturm ist das Logo der Firma, er symbolisiert Schutz und Wehrhaftigkeit. Eigenschaften, die Hausbesitzer besonders schätzen, wenn sie nicht selber in der Immobilie wohnen und das Gebäude schon länger leer steht. Denn es drohen Einbrüche, Vandalismus, Wertverlust. Sicherheitsfirmen, Hausmeister oder Alarmanlagen seien verhältnismäßig teuer und oft nicht besonders effizient, sagt Dirk Rahn, Business Development Director von Camelot Deutschland. Im Hamburger Büro koordiniert er den Einsatz der Hauswächter in Norddeutschland, ein Kollege in Düsseldorf ist zuständig für den Süden. Zusammen betreuen sie 250 Wächter in Berlin, Hamburg, Essen, Schifferstadt. Dazu kommen Immobilien auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Rahn sagt, ein 24-Stunden-Service für ein Gelände von der Größe des ehemaligen US-Militärhospitals in Berlin-Dahlem koste 8000 bis 10 000 Euro im Monat. Dagegen fange der Camelot-Preis bei 195 Euro pro Gebäude ein. 

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