Der Hauswächter in Berlin

Weber ist fünfzig und wieder in einer Schule. Nicht als Schüler oder Lehrer: Als Hauswächter bewohnt der Frührentner eine ehemalige deutsch-französische Privatschule in Berlin-Reinickendorf.

Der Hauswächter

Wenn Christian Weber seinen Mitbewohner besuchen will, muss er durch ein Labyrinth aus langen Gängen, vorbei an Holzstühlen, kleinen Schreibtischen und Plastikmülleimern. Er passiert leere Vitrinen, einsame Kinderzeichnungen an Backsteinwänden und Toilettentüren mit der Aufschrift ‚Garçons’ und ‚Filles’. Die Luft riecht nach deutscher Bildungsarchitektur der 60er Jahre: etwas muffig, nach Staub und alten PVC-Böden.

Weber ist fünfzig und wieder in einer Schule. Nicht als Schüler oder Lehrer: Als Hauswächter bewohnt der Frührentner eine ehemalige deutsch-französische Privatschule in Berlin-Reinickendorf. Ganze 22.000 Quadratmeter Nutzfläche teilt sich Christian Weber mit einem Studenten. Das niederländische Unternehmen Camelot vermittelt sogenannte Hauswächter an Immobilienbesitzer, um deren Eigentum – ob Schule, Villa oder Krankenhaus – vor ungebetenen Gästen zu schützen. „Erst werfen Jugendliche Steine, dann klettern Leute ins Gebäude und am Ende reißen Einbrecher die Kupferdrähte aus den Wänden“, beschreibt Weber das übliche Schicksal eines verlassenen Gebäudes. „Hier ist das noch nicht passiert, kein einziger Einbruch.“

180 Euro Nutzungsgebühr zahlen die Hauswächter für ihr extravagantes Zuhause – und müssen sich an eine Hausordnung wie in einer Jugendherberge halten: Rauchen, Kerzen, Haustiere und Partys sind in den Räumen verboten. Auch dürfen keine Gäste hier übernachten und wenn Hauswächter länger verreisen, müssen sie es Camelot mitteilen. Dazu hat man Pflichten zu befolgen: die Räume in Ordnung halten, Rauchmelder, Lichter und Heizungen kontrollieren und bei Ein- oder Rohrbruch umgehend die Firma kontaktieren.

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