Essener Hauswächter wohnt unter der Karibiksonne

Essen-Katernberg. Der Essener Christof Meinl bezahlt für seine 120 Quadratmeter ganze 360 Euro Miete. Allerdings hat erheblich mehr Einschränkungen als normale Mieter und übernimmt zudem Kontrollpflichten.

Essener Hauswächter wohnt unter der Karibiksonne

Essen-Katernberg

Der Essener Christof Meinl bezahlt für seine 120 Quadratmeter ganze 360 Euro Miete. Allerdings hat erheblich mehr Einschränkungen als normale Mieter und übernimmt zudem Kontrollpflichten.

Geräumige 120 Quadratmeter Wohnfläche, dazu ein Garten mit dem Doppelbock der Zeche Zollverein in Sichtweite. Und das ganze Paket warm und inklusive der weiteren Nebenkosten für gerade mal 360 Euro im Monat. Da kann man nicht klagen. Das würde Christof Meinl auch nie tun. Er ist einer der zufriedenen Mieter am Katernberger Meybuschhof, der das preislich attraktive Angebot nutzt. Sein Vermieter „Camelot“ hat dort noch mehrere Quartiere. Aber weil eine „Camelot“-Wohnung nun mal keine normale Wohnung ist, stehen die Mieter auch nicht Schlange.

Gründungs-Büroräume der„Zeche Zollverein Schacht XII“
Das niederländische Unternehmen „Camelot“ betreut Großimmobilien, mit denen deren Besitzer für den Moment nur wenig anfangen können. Ergo stehen diese, wie das ehemalige Amtsgebäude am Meybuschhof, übergangsweise leer. Damit dort nicht unerwünschte Zeitgenossen einbrechen, randalieren, einziehen oder Partys feiern, lässt „Camelot“ dort Hauswächter wohnen. Wie Christof Meinl. Der ist selbstständig, macht Musik, arbeitet als DJ und schaut nach dem Rechten. Praktisch für ihn: Gleich neben seiner Wohnung ist ein ehemaliger Friseur-Salon, den sich der 30-Jährige zum Musikstudio umgebaut hat.

Hauswächter als Schutz vor Vandalismus
Beim Thema Umbauten muss allerdings immer „Camelot“ gefragt werden. Hintergrund: Eine erhoffte Folgenutzung soll ohne Probleme möglich sein. Bei der Karibik-Fototapete, auf der die Sonne in Meinls Katernberger Wohnzimmer versinkt, gab es keine Bedenken. Trotzdem: Nicht alles was gefällt ist, ist auch erlaubt. Es gilt Rauchverbot in allen Räumen, brennende Kerzen sind nicht erwünscht, Partys mit mehr als zehn Gästen nicht erlaubt. Sollte es Eigenbedarf geben, müssen die Hauswächter in vier Wochen ausziehen. Und „Camelot“-Vertreter schauen regelmäßig und mit eigenem Hausschlüssel vorbei und prüfen, ob die Vorgaben eingehalten werden. Weitere Regel: Christof Meinl muss Präsenz zeigen, hat fünf Tage in der Woche Anwesenheitspflicht. Bis vor kurzem standen noch Kontrollgänge auf den mehr als 1000 Quadratmetern in den 40 Räumen das ehemaligen Amts an. Hier waren einst die Gründungs-Büroräume der „Zeche Zollverein Schacht XII“ untergebracht.

Fünf Jahre stand das Gebäude leer. Inzwischen sind weitere Hauswächter eingezogen. Die haben teilweise weite Wege, wenn es um Alltäglichkeiten geht: Wer duschen will, muss die Etage wechseln. Ein Skateboard kann auf dem 40 Meter langen Flur mit tristem Linoleumboden die Reise zum nächsten Treppenhaus aber erheblich verkürzen.

„Das nimmt man in Kauf“, sagt Christof Meinl. Der große Malus auf seinen 120 Quadratmetern: Der spärliche Handy-Empfang. Die soliden alten Mauern halten dicht. Für den Musiker Meinl kein Problem: So kann er sich unter seiner Karibik-Fototapete in Ruhe neue Kompositionen überlegen

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