Focus Online: Zu wenige Wohnungen für Studenten - Hauswächter als Alternative

Nicht jeder junge Mensch lebt gerne im Altenheim. Doch es gibt auch andere ungewöhnliche Lösungen: Tobias Wokan hat sein Ingenieurs-Studium bereits abgeschlossen, arbeitet als Programmierer und lebt in Berlin in einem ehemaligen Kinderkrankenhaus.

Focus Online: Zu wenige Wohnungen für Studenten - Hauswächter als Alternative für Wohnungssuchende

Nicht jeder junge Mensch lebt gerne im Altenheim. Doch es gibt auch andere ungewöhnliche Lösungen: Tobias Wokan hat sein Ingenieurs-Studium bereits abgeschlossen, arbeitet als Programmierer und lebt in Berlin in einem ehemaligen Kinderkrankenhaus. „Hauswächter“ heißen er und seine Mitbewohner – ein Projekt der niederländischen Firma „Camelot“.

Gebäude vor Vandalismus und Feuer schützen
Die Wächter wohnen meist als Wohngemeinschaft in einer Schule, einem ehemaligen Restaurant, einem nicht genutzten Krankenhaus oder sogar in einem Schloss. Die Hauswächter schützen das Gebäude vor Vandalismus und Feuer bis die Eigentümer ins Haus zurückkehren oder eine andere Verwendung dafür gefunden haben. Tobias Wokan bewohnt für 180 Euro Miete drei Zimmer in einer ehemaligen Kinderklinik im Berliner Stadtteil Lichtenberg. Einsam fühlt er sich da nicht: „Wir sind mittlerweile 22 Leute auf vier Stockwerke verteilt“, sagt Wokan.

Vor drei Jahren brachte die Firma „Camelot“ das Hauswächter-Programm nach Deutschland. „Die Nachfrage in den großen Studentenstädten ist im Moment riesig“, sagt Karsten Linde, regionaler Direktor von „Camelot Deutschland“. 7000 Gebäude hat die Firma aktuell bundesweit vermittelt. Flexibilität sei Grundvoraussetzung, so Linde. Deswegen seien auch so viele Studenten unter den Mietern: „Man muss damit leben, dass man auch mal innerhalb von vier Wochen wieder ausziehen kann.“

So auch in dem ehemaligen Kinderkrankenhaus in Berlin: Die Stadt hat das Gebäude mittlerweile an eine Wohnungsbaugesellschaft verkauft. Es wird ab 2014 umgebaut. Dann müssen die Hauswächter ausziehen und sich eine neue Bleibe suchen.

Wohnen für Hilfe
Eine langfristigere Bleibe bietet das Projekt „Wohnen für Hilfe“, das es bereits in 22 Studentenstädten gibt. In Köln – mit 70 000 Studierenden eine der größten Studentenstädte – wohnen Studenten seit 2005 mit Senioren und Familien unter einem Dach und zahlen nur die Nebenkosten. Dafür gilt die Regel: Pro Quadratmeter muss eine Stunde Hilfe im Monat geleistet werden. Unterstützt wird das Ganze von der Stadt Köln und der Universität. Kooperationspartner ist die Seniorenvertretung der Stadt.

Ramona Komp studiert Englisch und Latein auf Lehramt und wohnt bei einer Familie in Brühl nahe Köln. Anfangs ist sie von ihrem Zuhause in Duisburg nach Köln gependelt. Doch das war der 20-Jährigen irgendwann zu weit. Eine Wohnung in Köln ist teuer und die Studentin wurde auf „Wohnen für Hilfe“ aufmerksam: Seit Anfang des Jahres wohnt sie bei der Familie und ist für die Kinderbetreuung zuständig. „Die Eltern sind beide berufstätig“, erzählt Ramona Komp. Sie hilft der 15-jährigen Tochter bei den Hausaufgaben und betreut sie, wenn sie von der Schule nach Hause kommt.

Über den Tellerrand gucken
Den Kontakt zwischen Studierenden und Menschen, die Unterstützung im Alltag wüschen, vermittelt Heike Bermond. Sie besucht die sogenannten „Wohnraumanbieter“ zuhause. Die Studenten lädt sie in ihr Büro ein. Erst danach lernen sich die möglichen Wohnpartner kennen und können nach einem Probewohnen einen Wohnraumüberlassungsvertrag schließen, in dem die genauen Hilfeleistungen vereinbart werden.

„Wohnen für Hilfe“ verlange ein großes Stück Toleranz von beiden Wohnpartnern, so Bermond. „Sie müssen bereit sein, über den Tellerrand zu gucken.“ Sonst klappe das nicht. „Aber wenn die Studierenden für den Alltag zu gebrauchen sind und es auf der zwischenmenschlichen Ebene passt, dann ist eine Wohnpartnerschaft für beide Parteien eine Bereicherung“, sagt die Koordinatorin.

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