Gutsbesitzer auf Zeit - Plötzlich Schlossherr

21 Hektar Park, 100 Zimmer, 12 Badezimmer: Wenn andere Studenten abends ins Wohnheim radeln, fährt Timo Schröder vor dem Eingangsportal von Gut Hohehorst vor. Als Hauswächter zur Miete.

Gutsbesitzer auf Zeit - Plötzlich Schlossherr

21 Hektar Park, 100 Zimmer, 12 Badezimmer: Wenn andere Studenten abends ins Wohnheim radeln, fährt Timo Schröder vor dem Eingangsportal von Gut Hohehorst vor. Als Hauswächter zur Miete.

„Ich komme gleich!“, ruft Timo Schröder vom halbrunden Balkon des stattlichen Herrenhauses. Genug Zeit also, um sich ein wenig umzusehen. Schließlich klingelt man nicht jeden Morgen an einer fast sechs Meter hohen Schlosstür. Das dazugehörige Eingangsportal ist pompös, mit wuchtigen Säulen, umgeben von einem gigantischen, 21 Hektar großen Park, durch den noch der morgendliche Nebel kriecht. Ganz bescheiden leuchtet eine kleine schmiedeeiserne Lampe. Als sich die wuchtige Tür öffnet, knarzt es gewaltig. Und eigentlich erwartet man jetzt einen stattlichen Herrn mit Spazierstock, Monokel und Morgenmantel. Stattdessen öffnet Timo Schröder die Tür, Student der Luft- und Raumfahrttechnik.

Morgenmantels trägt er einen Kapuzenpulli  mit Jackett. Seit September erst ist er Herr auf Gut Hohehorst in Schwanewede bei Bremen, aber wie man ein solches Anwesen gleich gebührend präsentiert, weiß er schon genau. Im Salon mit edlem Holzfuβboden, Stuckdecken, Marmor-Kamin, detailverliebten Holzschnitzereien und einer langen Tafel bleibt Besuchern schon mal kurz die Spucke weg. Wie bitte schön kommt man als Student zu so einem Schloss? ,,lch war auf Wohnungssuche und kurz davor, einen Mietvertrag zu unterzeichnen, als ein Freund mir eine Anzeige schickte. ,Du kannst ja in ein Schloss ziehen’, sagte er, und ich hielt es für einen Scherz. Es blieb aber immer im Hinterkopf und ich entschied mich, dort anzurufen. Ich fuhr hin und war überwältigt.” Timo Schröder unterschrieb  den  Vertrag und ist seit September Schlossherr— Für 185 Euro im Monat.

Geben und nehmen
 Vermieter des Schlosses ist die niederländische Firma Camelot, die Schröder und Leute wie ihn als eine Art ,,Hauswächter” einstellt. Das Konzept dahinter: Historische und vor allem leer stehende Gebäude finden neue Bewohner und  sind so vor Verfall oder Raub besser geschützt. Die glücklichen ,,Hausmeister auf Zeit” erleben eine einzigartige Wohnumgebung. Künstler leben statt in Ateliers in alten Schulen, Studenten bewohnen ehemalige Krankenhäuser, ein  Angestellter bewohnt eine stillgelegte Fabrik. Viele Kommunen sparen so teure Sicherheitsdienste. ,,Der ideale Hauswächter ist Verantwortungsbewusst, achtet fremdes Eigentum und ist mindestens 18 Jahre alt. Er sollte außerdem ein regelmäßiges Einkommen nachweisen können”, sagt Dirk Rahn, Gebietsleiter von Camelot Deutschland. Und räumt allerdings auch gleich ein, dass Familien mit Kindern zum Beispiel nicht die idealen ,,Hauswächter” sind. Weil ,,Kinder immer einen geregelten Lebensmittelpunkt benötigen. Das ist mit Kindergarten­ oder Schulbesuchen  verbunden”, erklärt  Dirk  Rahn — und das Hauswächter-System bedeutet ganz klar von Anfang an ein ,,Wohnen auf Zeit”. Werden die Gebäude verkauft oder saniert, muss sich der ,,Hauswächter” eine neue Bleibe suchen.

Jenseits der glamourösen Fassade 
Genau das macht dieses System für ,,Gutsherr” Timo Schröder so spannend: „lch fühle mich hier auf Hohehorst sauwohl”, sagt er, „aber ich weiß auch, dass die Zeit hier begrenzt ist. Ich habe noch ein  Praxissemester vor mir. Sollte dies in einer anderen Stadt sein, werde ich mich wieder nach Gebäuden von Camelot umsehen. Wer weiß, was noch so kommt. Kann ja nicht jeder von sich behaupten, mal in