Wohnen im Traumschloss...

In das 1929 errichtete und mittlerweile denkmalgeschützte Gut Hohehorst in Schwanewede bei Bremen ziehen im August Hauswächter des Dienstleisters Camelot ein. Die Immobilie soll so vor Vandalismus, Einbruch und Diebstahl geschützt werden, bis eine neue Verwendung gefunden wird.

Wohnen im Traumschloss...

Hauswächter der Firma Camelot ziehen auf Gut Hohehorst bei Bremen ein

In das 1929 errichtete und mittlerweile denkmalgeschützte Gut Hohehorst in Schwanewede bei Bremen ziehen im August Hauswächter des Dienstleisters Camelot ein. Die Immobilie soll so vor Vandalismus, Einbruch und Diebstahl geschützt werden, bis eine neue Verwendung gefunden wird.

Schwanewede, 11. August 2014

Märchenhaft idyllisch anmutend, fernab von Großstadtbeton und lärmenden Motoren, liegt hinter zwei imposanten Torhäusern zwischen Esche und Ahorn verborgen das Gut Hohehorst in Schwanewede nordwestlich von Bremen. Von 1981 bis Mitte 2014 wurde das knapp 210.000 Quadratmeter mächtige Anwesen als Therapiezentrum genutzt. Seit der Pachtvertrag beendet wurde, sucht dessen Besitzerin, die Stadt Bremen, nach einem neuen Eigentümer.

Bewachung durch Bewohnung
Um die Immobilie in der Zwischenzeit vor Einbruch, Diebstahl, Vandalismus Hausbesetzung oder illegalem Müllabladen zu schützen, beauftragt die Stadt die Leerstandsagentur Camelot. Diese setzt seit August sogenannte Hauswächter ein, die gegen eine geringe Verwaltungsgebühr in die leer stehende Immobilie einziehen und dadurch für deren Schutz sorgen. „Bewachung durch Bewohnung“ heißt das Konzept, das die aus den Niederlanden stammende Agentur längst auch in Deutschland etabliert hat und mit mehr als 10.000 Hauswächtern insgesamt 4.000 Immobilien, darunter private Objekte, aber auch stillgelegte Schulen, Fabriken, Klöster, Kirchen oder Kliniken betreut.

„Ohne Zweifel gehört das Gut Hohehorst zu den imposantesten Objekten, die die Firma Camelot je betreuen durfte“, sagt Dirk Rahn, Business Development Director bei der Camelot Deutschland GmbH. „Wir freuen uns sehr auf die Herausforderung, die eine Immobilie in dieser Größenordnung mit sich bringt. In den nächsten Wochen gilt es nun, geeignete Hauswächter zu finden, die das Anwesen gewissenhaft und zuverlässig schützen und somit seinen hohen Wert erhalten“, so Rahn weiter.

Mein Schloss, mein Park, meine Terrasse
Das Wohnen in leer stehenden Gebäuden ist, beispielsweise für Studenten, eine günstige Alternative und vor allem eine außergewöhnliche Erfahrung. Stichwort: Abenteuerwohnen. Denn wer träumt nicht davon, für eine geringe Summe, die normalerweise nicht einmal für die Miete einer 1-Zimmerwohnung reichen würde, in ein herrschaftliches Schloss einzuziehen? Das knapp 21 Hektar große Grundstück lässt so ziemlich keine Wohnträume unerfüllt. Der weitläufige Park in all seiner Vielfalt wartet darauf, erkundet zu werden, die große Terrasse lädt zum entspannenden Sonnenbad ein, auf dem Fußballfeld können Rasensportbegeisterte dem Spiel mit dem runden Leder frönen und eine große Küche bietet Hobbyköchen ausreichend Platz für kulinarische Entfaltung.

Originalgetreue Details der 1920er Jahre erhalten geblieben
Im Innern des zweigeschossigen und unterkellerten Haupthauses sind trotz mehrfacher Renovierungen originalgetreue Details erhalten geblieben. Aufwändig gestaltete Stuckdecken, antike Fenstergriffe, verziert mit dem Familienwappen der ehemaligen Eigentümer, ein großer Kamin sowie eine repräsentative, hölzerne Treppe lassen vermuten, wie viele Künstler, Architekten und Bildhauer hier ihre Spuren hinterlassen haben müssen. Nicht umsonst stehen seit 1986 unter anderem das Herrenhaus, die Torhäuser und weite Teile des Parks unter Denkmalschutz.

Regeln für Hauswächter
Was sich zu schön anhört, um wahr zu sein, ist für die Hauswächter der Firma Camelot bald Realität. Während des Aufenthaltes gelten für die „Schlosswächter“ aber auch besondere Regeln: Dazu zählt zum Beispiel ein Rauchverbot, Haustiere oder große Partys sind ebenfalls tabu. Gäste, die länger als eine Nacht bleiben, müssen angemeldet werden. Und wenn ein Hauswächter in den Urlaub möchte, muss er dies Camelot mitteilen. Einmal im Monat sieht zudem ein Mitarbeiter von Camelot nach dem Rechten und prüft den Zustand der Immobilie. Wer einzieht, sollte auch ein wenig Flexibilität mitbringen, denn wird ein neuer Eigentümer gefunden, beträgt die Kündigungsfrist nur vier Wochen.

„Mit der Einsetzung von Hauswächtern der Firma Camelot stellen wir eine professionelle Bewachung des Gutes Hohehorst sicher, bis ein neuer Eigentümer gefunden wird. Technische Defekte können schneller entdeckt werden, zudem beugen wir somit Beschädigungen, die durch Diebstahl, Vandalismus oder Zerfall entstehen könnten, kostengünstig vor“, erklärt Hans-Günter Bruckhaus von Immobilien Bremen.

Historie des Gut Hohehorst
Im Jahr 1928/29 wurde das Herrenhaus Hohehorst, oder auch „Gut Hohehorst“ genannt, im Auftrag des Großindustriellen G. Carl Lahusen als Sommersitz seiner Familie errichtet. Sieben Architekten, acht Bildhauer, vier Kunstmaler sowie sechs Meister des Kunstgewerbes wirkten beim Bau des 107 Zimmer und zwölf Badezimmer umfassenden Herrschaftssitzes mit. Nach der Insolvenz des Nordwolle-Konzerns, vertreten durch G. Carl Lahusen, wechselte das Eigentum der Immobilie 1934 an eine Bremer Bank. Bevor das Herrenhaus schließlich zu seiner Nutzung als Therapiestätte für Drogenabhängige fand, wurde es unter anderem von der US-Armee und dem Roten Kreuz genutzt. Nach dessen Auszug wurde die Stadt Bremen 1958 Eigentümer und richtete dort eine Klinik für Innere Medizin ein.